Zum Beitrag
Kommunikation ist keine Glückssache, Gedankenlesen auch nicht! Wer nicht sagt, was er will, darf sich nicht wundern, wenn er etwas anderes bekommt. So einfach dieser Satz klingt, so häufig wird er im privaten wie auch im beruflichen Alltag missachtet.
Wir erwarten, dass andere verstehen, was wir meinen. Dass sie unsere Vorstellungen teilen, unsere Erwartungen erkennen und unsere Aussagen richtig interpretieren. Doch woher sollen sie das wissen?
Jeder Mensch betrachtet die Welt durch seine eigene Brille. Erfahrungen, Wissen, Bildung und persönliche Wertvorstellungen prägen unser Verständnis.
Was für den einen selbstverständlich ist, muss für den anderen noch lange nicht selbstverständlich sein.
Besonders problematisch wird es, wenn Informationen fehlen. Denn unser Gehirn lässt Wissenslücken nicht einfach offen. Es beginnt zu interpretieren, zu vermuten und zu spekulieren. Aus fehlenden Informationen entstehen Annahmen, aus Annahmen vermeintliche Tatsachen und daraus nicht selten Missverständnisse, Konflikte oder Fehlentscheidungen. Ein weiteres Problem beobachte ich zunehmend: das nachlassende Sprachverständnis.
Gerade im Umgang mit jüngeren Menschen fällt mir immer häufiger auf, dass selbst einfache Begriffe der deutschen Sprache nicht mehr bekannt sind oder völlig unterschiedlich interpretiert werden.
Dabei geht es nicht um komplizierte Fremdwörter oder akademische Ausdrucksweisen, sondern um einen Wortschatz, den man früher weitgehend voraussetzen konnte. Das ist keine Frage mangelnder Intelligenz, sondern zeigt, wie unterschiedlich sprachliche Voraussetzungen und Erfahrungswelten inzwischen sein können.
Wer nicht dieselbe Bedeutung mit einem Wort verbindet, kann auch nicht dieselbe Botschaft verstehen.
Das hat Konsequenzen. Eine kurze Anweisung, die früher ausreichte, muss heute mitunter ausführlich erläutert werden. Nicht selten muss man erklären, was man eigentlich für selbstverständlich hielt. Man mag diese Entwicklung bedauern. Ignorieren kann man sie nicht.
Gerade Führungskräfte sollten sich dessen bewusst sein. Wer Aufgaben delegiert, Erwartungen formuliert oder Entscheidungen erläutert, trägt auch Verantwortung dafür, dass seine Botschaft verstanden wird.
Klare Kommunikation ist keine Frage der Wortgewandtheit, sondern der gedanklichen Präzision.
Dazu gehören vollständige Informationen, eindeutige Formulierungen und die Bereitschaft, Dinge auch einmal detailliert zu erklären. Und ebenso wichtig: nachzufragen, ob das Gesagte tatsächlich verstanden wurde.
Denn Kommunikation ist keine Einbahnstraße.
Wir reden heute vermutlich mehr miteinander als jemals zuvor. Über E-Mails, Messenger, soziale Medien und unzählige digitale Kanäle. Aber kommunizieren wir deshalb auch besser?
Ich habe zunehmend den Eindruck, dass die Menge der ausgetauschten Worte steigt, während die Genauigkeit und Verbindlichkeit ihrer Inhalte abnimmt. Vielleicht sollten wir wieder mehr Wert darauf legen, nicht nur schnell etwas mitzuteilen, sondern uns wirklich verständlich zu machen.
Denn entscheidend ist nicht, was wir sagen, sondern was beim anderen ankommt.
Und eines sollten wir nicht vergessen: Gute Kommunikation kostet Zeit. Schlechte Kommunikation kostet Vertrauen, Geld und manchmal sogar Beziehungen.
Dr. Helga Eitzenberger-Wollring
3 total views, 3 views today



